WENN EMPATHIE UND UNGEDULD AUFEINANDER TREFFEN

Hochsensibel zu sein bedeutet nicht unweigerlich NICHT auch mal unsensibel zu reagieren.
Der Begriff HOCHSENSIBILITÄT kann missverständlich sein.

Denn hochsensibel zu sein bedeutet eben nicht,
PAUSENLOS eine hohe Sensibilität ALLEM und JEDEM gegenüber an den Tag zu legen.

Es bedeutet nicht, dass man als hochsensibler Mensch unbedingt immer nur SANFTMÜTIG und RÜCKSICHTSVOLL handelt.

Im Gegenteil, durch die hohe Aufnahme von inneren und äußeren Reizen, also durch eine hohe Reizüberflutung kann es sogar sein, dass gerade hochsensible Menschen durch die schnelle und Intensive Überreizung viel eher mal unwirsch, ablehnend oder mit Rückzug reagieren, als viele ihrer Mitmenschen.

Durch eine falsche Deutung des Begriffes Hochsensibilität kann es im Zusammensein mit Mitmenschen zu Missverständnissen kommen, die
viele Bereiche des Lebens betreffen können.

Einige Wesensmerkmale die der Hochsensibilität zugeschrieben werden, bringen dann aufgrund solcher Missverständnisse so manche Herausforderung im gemeinsamen Leben mit sich.

In diesem Text geht es um ein persönliches selbstkritisches Beispiel, in Bezug auf potentielle Missverständnisse im Bereich der Kommunikation.

Das Beispiel beginnt mit folgender Aussage…

Duuu willst HOCHSENSIBEL sein?
Im Gespräch mit mir bist du ein
ungeduldiger BESSERWISSER…

Bestimmte Wesensmerkmale der Hochsensibilität,
(wie in diesem Beispiel
das schnelle Erfassen von Stimmungen, Zusammenhängen und Gesamtsituationen)
können im Umgang mit anderen schnell zur Stolperfalle werden,
OBWOHL ein solches Merkmal an sich eigentlich eher eine Gabe ist,
denn viele Hochsensible können in Sekundenschnelle 1 und 1 zusammenzählen, erfassen Stimmungen, Zusammenhänge uvm. mit allen Sinnen und haben dabei zusätzlich eine stark ausgeprägte Intuition.

Doch zunächst einmal zu dem Beispiel…
Frieda, die hochsensibel ist,
erfasst ziemlich zuverlässig und schnell STIMMUNGEN, ZUSAMMENHÄNGE und GESAMTSITUATIONEN

Wenn sich Personen, mit denen sie in einer Form der Kommunikation steht, sich
aus ihrer Sicht jedoch
* zu lange in umständlichen Umschreibungen aufhalten…
* Gespräche in die Länge ziehen…
* herumdrucksen…
* das für Frieda schon Sichtbare selbst noch nicht wahrnehmen
* um den heißen Brei reden… oder
* die für sie schon spürbaren Gefühle nicht ausdrücken…
wird sie daurch häufig schnell UNGEDULDIG oder fällt manchmal ihrem Gegenüber sogar direkt ins WORT.

Ehe sie sich versieht, ist sie dann in der Situation, als unsensibel, unhöflich usw. zu gelten oder es zu sein, obwohl sie sich als hochsensiblen Menschen bezeichnet.

In solchen Momenten wird ihr dann oft sofort ihre HOCHSENSIBILITÄT abgesprochen. Denn wäre sie nach dem Verständnis ihres jeweiligen Gegenübers hochsensibel, müsste sie zu
JEDER ZEIT empathisch, zurückhaltend und aufmerksam reagieren.
Da ihr ungeduldiges Verhalten in so manchem Gespräch jedoch nicht sehr sensibel ist, folgt dann eben auch schon mal ein Satz wie das erwähnte
DUUU willst hochsensibel sein…. ?

In der Tat ist es nicht in Ordnung,
anderen ins Wort zu fallen oder aber kundzutun, dass man bestimmte Dinge schon zu wissen glaubt, die man aus der Sicht des Anderen noch gar nicht wissen kann.

Friedas Ungeduld ist,
wenn sie sie nicht im Zaum hält anstrengend für ihr Gegenüber
aber interessanterweise sogar auch für sie selbst.

Die Ungeduld in ihr entsteht,
da sie häufig
schon zu wissen glaubt, was der andere sagen möchte,
*nachdem er 10 Sätze gesprochen hat
*Zusammenhänge zu erkennen glaubt, die vom anderen selbst noch nicht wahrgenommen wurden
*oder
zu ahnen glaubt, in welcher Stimmung derjenige ist, kaum dass er den Raum betreten hat

((( in diesem Moment mag jetzt vielleicht so mancher nichthochsensible Mensch die Augenbrauen skeptisch zusammenziehen… 😉 das ist nur verständlich:::)

Aber
die genannten Eigenschaften sind ihrem schnellen Erfassen mit allen Sinnen
gezollt und wie bei vielen anderen Hochsensiblen ebenfalls, mit einer hohen Trefferquote sehr oft auch zutreffend.

Für Frieda ist es in solchen Momenten dann einfach oft schwer,
sich zurückzuhalten,
um nicht ständig….
ICH WEISS… zu sagen oder
ICH SPÜRE doch, dass DU ETWAS HAST
oder mit LÖSUNGSVORSCHLÄGEN voranzupreschen.

In ihrem Eifer, bei manchen Gesprächen ohne große Umwege auf das WESENTLICHE
kommen zu wollen,
übersieht sie dann jedoch häufig, dass es in Gesprächen ja nicht nur um eine Lösungssuche oder ein schnell zu erfassendes Gesamtbild geht, sondern auch um ein
gehört, gesehen und gespürt werden zu wollen.

Es ist schon beinahe ein Phänomen, das ausgerechnet ihr, als hochsensiblen Menschen, der es selbst so wichtig ist gefühlt und gehört zu werden,
in Bezug auf das schnelle Erfassen von Gesamtsituationen, ein einfühlsames Zuhören so schwer fällt.

Das „Wesentliche“ herauskristallisieren zu wollen um zu helfen übernimmt dann die Regie…..und ist dabei oft STÄRKER als die EMPATHIE

So wirkt sie aufgrund dessen auf ihren Gesprächspartner
anstelle von
INTERESSIERT bis HILFSBEREIT, eher
UNGEDULDIG
EGOISTISCH
INNERLICH ABWESEND
UNHÖFLICH
manchmal auch
BESSERWISSERISCH

Dies führt dann oft auf beiden Seiten zu Frustrationen,
denn die eben genannten negativen Attribute entsprechen dabei sicherlich häufig dem GEFÜHL meines Gegenübers
jedoch NICHT dem eigentlichen Anliegen Friedas.

Gefühlt hat sie in solchen Situationen aus ihrer Sicht das Beste gegeben doch
dennoch oft Ablehnung und Unverständnis geerntet.

Ihrem Gegenüber wiederum, hat sich sicherlich genauso häufig
nicht gehört oder ernst genommen gefühlt…

So etwas ist dann im Endeffekt für alle Beteiligten einfach nur unbefriedigend.

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Zwischenzeitlich hat Frieda verstanden, dass bestimmte Verhaltensweisen die ihr persönlich entsprechen, besonders von nichthochsensiblen Menschen, anders wahrgenommen werden können, als das was sie damit ausdrücken möchte.

Es ist nun an ihr, ihrem entsprechenden Gegenüber in Zukunft möglichst rechtzeitig mitzuteilen, warum sie evtl. ungeduldig ist, obwohl sie ein Interesse an seiner Person hat.

Es ist an ihr, sich an bestimmten Punkten auch mal selbst zu bremsen, ganz egal ob sie glaubt, mit ihrem Gefühl richtig zu liegen oder nicht.
Einfach nur, um dem anderen ihre volle Aufmerksamkeit zu schenken.

Es ist auch an ihr, ihre Gabe nicht abzuwerten, sondern diese weiterhin als Gabe zu verstehen und anzunehmen.
Dabei kann es sinnvoll sein, diese Gabe zukünftig jedoch in bestimmten Situationen etwas zu filtern.

Letztendlich kommt es bei der Kommunikation zwischen Menschen, genau wie im Leben selbst, doch darauf an, sich mitzuteilen
mit all dem was einen ausmacht.
Auch mitzuteilen, was sich hinter dem Begriff Hochsensibilität eigentlich verbirgt ist von großer Bedeutung
…so können Missverständnisse umgewandelt werden in Verständnis oder es können gemeinsam KONSTRUKTIVE Lösungen gesucht und gefunden werden.

Und da Frieda GLÜCKLICH ist, wenn es ihr selbst, sowie den Menschen in ihrem Umfeld gut geht, freut sie sich umso mehr, wenn es ihr gelingt,
zukünftig den Herausforderungen der Kommunikation mit Freude und Zuversicht zu begegnen.

© Loubins Way

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