WARUM FÜHLE ICH MICH SO OFT MISSVERSTANDEN ODER UNVERSTANDEN…?
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Manches, was mir selbst so selbstverstĂ€ndlich erscheint, ist nicht jedem GegenĂŒber ebenso ins Herz geschrieben.

Über viele Jahre meines Lebens fĂŒhrte ich viele fĂŒr mich selbst,
aber auch fĂŒr meine jeweiligen GesprĂ€chspartner, frustrierende GesprĂ€che.

Und zwar immer dann,
wenn ich versuchte Mitmenschen, die selbst nicht hochsensibel sind,
meine GEFÜHLSWELT in Bezug auf bestimmte Lebenssituationen oder Alltags-Geschehnisse erklĂ€ren zu wollen.
Wenn ich dann wĂ€hrend des GesprĂ€chs auch noch ein Wort wie OberflĂ€chlichkeit benutzte, fĂŒhlte sich mein GegenĂŒber zusĂ€tzlich oft angegriffen und ich verstand nicht einmal warum.

HĂ€ufig endeten meine ErklĂ€rungsversuche fĂŒr völlig unterschiedliche GefĂŒhlslagen, in MissverstĂ€ndnissen, im UnverstĂ€ndnis, mit Frustrationen auf beiden Seiten und vielem mehr…

Lange Zeit fragte ich mich warum das so sein konnte…
Denn ich bemĂŒhte mich wirklich mit meinem ganzen Herzen, die richtigen Worte fĂŒr die entsprechenden GefĂŒhlslagen zu finden.

Wenn ich dann manchmal ganz genau und mit möglichst verstÀndlichen Worten versuchte,
etwas zu erklĂ€ren, was mir selber absolut nachvollziehbar erschien…
und dann im Anschluss an diese ErklÀrung doch wieder mitbekam, dass nichts davon wirklich im Herzen des anderen angekommen war,
sondern das FRAGEZEICHEN auf seiner Stirn nach wie vor zu spĂŒren war,
begann meine innere Verzweiflung.

Aber nicht nur meine, sondern auch die meines GegenĂŒbers.
Wir drehten uns im Kreis und fanden nicht zueinander.
Worte wurden dann völlig aus dem Zusammenhang heraus völlig unterschiedlich interpretiert, ohne dass dabei ĂŒberhaupt eine unterschiedliche Interpretationsmöglichkeit in ErwĂ€gung gezogen wurde.
Jeder verteidigte dann seine Form der Interpretation da er ja dachte,
der andere interpretiert diese ebenso…

Solche ErklĂ€rungsversuche und ein damit verbundenes UnverstĂ€ndnis haben mich innerlich und Ă€ußerlich so manche TrĂ€ne weinen lassen.

Irgendwann einmal habe ich dann verstanden,
dass der jeweilige GesprĂ€chspartner und ich auf verschiedenen GEFÜHLSEBENEN unterwegs sind,
von denen keine besser oder schlechter ist als die andere,
keine vernĂŒnftiger oder unvernĂŒnftiger, sondern einfach nur
UNTERSCHIEDLICHE GefĂŒhlsebenen sind.

AUF UNTERSCHIEDLICHEN GEFÜHLSEBENEN IST ES UNENDLICH SCHWER SICH ZU VERSTEHEN.

Hierzu gebe ich mal ein fiktives Beispiel,
welches ich mittlerweile verwende, wenn MissverstĂ€ndnisse sowie ein UnverstĂ€ndnis nicht geklĂ€rt werden können und entsprechende GefĂŒhle nicht verstĂ€ndlich gemacht werden können.

Wenn man sich einmal vorstellt,
dass der eine GesprĂ€chspartner nennen wir ihn Fred…
KEINEN SCHMERZ kennt, auch NICHT das Wort ANGST…
und somit auch nicht das GefĂŒhl kennt, welches hinter der Angst und dem Schmerz steckt,

wie soll man dann z.b. Fred erklÀren,
dass man in bestimmten oder vor bestimmten Situationen Angst oder Schmerzen hat
und diese GefĂŒhle wiederum bestimmte Verhaltensweisen in einem selbst auslösen.

Nehmen wir mal ein krasses Beispiel um es verstÀndlich zu machen.
Wenn man wĂŒsste, dass man alle 2 Tage einen Finger gebrochen bekommen wĂŒrde,
dann hĂ€tte man zum einen den Schmerz, der einen unglĂŒcklich und schmerzerfĂŒllt einem anderen gegenĂŒber zeigt,
zum anderen hÀtte man an dem Tag vor dem erneuten Fingerbruch auch schon wieder Angst davor.

Diese Angst wĂŒrde einen durch den Tag begleiten und es einem nicht möglich machen, einen unbeschwerten Tag oder Tage zu genießen.
Wenn Fred dann diese Missstimmung in einem mitbekÀme und vielleicht sogar verstehen wollte warum das so ist,
wĂŒrde man in große ErklĂ€rungsnot kommen,
denn er kennt ja das GefĂŒhl von Angst und Schmerzen nicht.

Er wĂŒrde also nicht verstehen,
warum man selbst nicht gut gelaunt und fröhlich mit ihm durch den Tag geht,
an dem doch seiner Meinung nach alles ganz schön ist…

Wenn man ihm dann erklĂ€ren wĂŒrde, warum man den Tag nicht so genießen kann wie er,
denn man selbst hatte ja Schmerzen auf der einen Seite, von dem gebrochenen Finger
und auf der anderen Seite Angst vor dem nÀchsten Tag,
an dem der nĂ€chste Finger gebrochen werden wĂŒrde….

Wie sollte man Fred erklĂ€ren, warum man sich entsprechend zurĂŒckhaltend verhĂ€lt,
warum man sich fĂŒhlt wie man sich fĂŒhlt und was man ĂŒberhaupt fĂŒhlt.

Versucht es einmal selbst,
so etwas jemanden zu erklĂ€ren, der weder Schmerz noch Angst jemals fĂŒr sich persönlich kennengelernt hat,
der sich also kaum etwas darunter vorstellen kann, auch wenn er sich noch so sehr bemĂŒht.

Vielleicht kann euer gedachtes GegenĂŒber im Anschluss an eure ErklĂ€rung greifen,
dass man aus den genannten GrĂŒnden eben nicht so fröhlich sein kann,
aber richtig spĂŒren und nachfĂŒhlen, könnte er es mit großer Wahrscheinlichkeit nicht.

Dieses Beispiel ist sehr krass
aber so in etwa, empfinde ich meine Hilflosigkeit, wenn ich ĂŒber meine GefĂŒhlswelt spreche und mich nicht verstanden fĂŒhle.
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Dennoch geht es mir mittlerweile besser…
der Unterschied zu frĂŒher ist, dass ich verstanden habe,
dass es unterschiedliche GEFÜHLSEBENEN gibt
und NIEMAND mich aus bösem Willen nicht versteht.

Das macht es mir etwas leichter damit umzugehen und zumindestens damit aufzuhören,
mir selber stÀndig etwas vorzuwerfen
oder aber auch meinem GegenĂŒber.

DarĂŒber hinaus finde ich mittlerweile ErfĂŒllung im Austausch mit ebenfalls hochsensiblen Menschen, denen ich meine GefĂŒhlslage nicht zu erklĂ€ren brauche, da sie ohnehin sofort nachvollziehen können was ich auszudrĂŒcken versuche.

Aus diesem WohlgefĂŒhl schöpfe ich die Kraft,
mich auch den ĂŒbrigen Mitmenschen gegenĂŒber so gut es jeweils möglich ist, verstĂ€ndlich mitzuteilen.
Auch die Gewissheit darĂŒber, dass unterschiedliche GefĂŒhlsebenen eben einfach unterschiedliche Ebenen sind und keine Antipathie, oder böser Wille,
macht es mir etwas leichter damit umzugehen.

Insgesamt ist sehr viel mehr Frieden in mir eingekehrt, seit ich verstanden habe,
dass MissverstĂ€ndnisse die durch unterschiedliche GefĂŒhlsebenen hervorgerufen sind, nicht böse gemeint sind.
Das ist ein StĂŒck weit befreiend.

Ich wĂŒnsche jedem, der eine solche VerstĂ€ndnis-Herausforderung fĂŒr sich selbst auch schon kennengelernt hat, einmal mit dieser neuen Betrachtungsweise an ein mögliches nĂ€chstes GesprĂ€ch heranzugehen… đŸ•Šïž

Herzlichst
Loubins

© Loubins Way

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